Fast ganz die deine

Eröffnung Theater Festival Hamburg 2015

JOHANNA WOKALEK. Schauspiel und Konzeption
MERLIN-ENSEMBLE, WIEN. Musik

Textgrundlage: Fast ganz die Deine von Marcelle Sauvageot

Marcelle Sauvageot (1900–1934) verfasste nur ein einziges Werk, das posthum veröffentlicht wurde. Es ist ihre – nie abgeschickte – briefliche Antwort an ihren Verlobten, der sie kurz zuvor verlassen hatte. Sauvageot reagiert darin auf dessen lapidar-grausame Ankündigung: „Ich heirate … Unsere Freundschaft bleibt …“. Johanna Wokalek hat mit „Fast ganz die Deine“ eigens für das Hamburger Theater Festival einen Abend konzipiert, der das Thema des Jahres 2015 „Macht–Ohnmacht“ aufgreift. Aus der seelischen Ohnmacht des Verlassen-Werdens rettet sich Marcelle Sauvageot mit einem Frontalangriff: Sie greift zur Feder, und mit jedem Satz ihrer klaren Analyse der Situation und des Charakters des Verlobten gewinnt sie die Macht über ihr Gefühlsleben zurück.

Im Dialog mit Kompositionen von Jean Sibelius, Johannes Brahms und Olivier Messiaen erweckt Johanna Wokalek die jung verstorbene Marcelle Sauvageot für einen Abend als kraftvolle Persönlichkeit zum Leben: als eine Frau, die sich weder von enttäuschter Liebe noch von einer schweren Krankheit unterkriegen lässt – eine Frau, die ihren Kummer in einer ebenso kraftvollen wie poetischen Sprache zum Ausdruck zu bringen und zu überwinden sucht.

 

PRESSESTIMMEN
„Das Licht wird heruntergedimmt, Johanna Wokalek verschwindet in der Dunkelheit. Sie hat Marcelle Sauvageot zu einem Sieg verholfen. Das Publikum feiert sie und das Merlin Ensemble – und das Theater Festival beginnt mit einem unter die Haut gehenden Abend voller Leidenschaft und Rebellion, voller Schmerz, Trauer und Glück.“ Hamburger Abendblatt, 07. Oktober 2015